♕ In Memoriam · Große Persönlichkeiten

Götz George

Schauspieler - (Götz Karl August George)

"Tragödie, Komödie, Kammerspiel, Klassiker, Thriller, Action – George hatte sämtliche Genres drauf"

— Michael Hanfeld, FAZ-Nachruf
  • Geboren: Berlin
  • Gestorben: Hamburg
  • Beigesetzt: Berlin (Friedhof Zehlendorf, neben seinem Vater Heinrich George)

Kurzbiografie

Götz Karl August George wurde am 23. Juli 1938 in Berlin als Sohn des berühmten Schauspielers Heinrich George und der Schauspielerin Berta Drews geboren. Sein Vater gab ihm den Namen in Anlehnung an seine Lieblingsrolle Götz von Berlichingen. Nach dem Tod des Vaters 1946 als Gefangener in Sachsenhausen wuchs Götz mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Jan bei der Mutter in Berlin auf. Er besuchte die Berthold-Otto-Schule in Berlin-Lichterfelde und das Lyceum Alpinum in der Schweiz. Sein Bühnendebüt hatte er 1950 im Alter von zwölf Jahren in William Saroyans Mein Herz ist im Hochland am Berliner Hebbel-Theater. 1953 erhielt er seine erste kleine Filmrolle neben Romy Schneider in Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Von 1955 bis 1958 studierte er am Berliner UFA-Nachwuchsstudio. 1957 stand er in seiner ersten Hauptrolle in Alter Kahn und junge Liebe vor der Kamera. Mit dem Film Jacqueline (1959) gelang ihm sein großer Durchbruch – er erhielt den Preis der deutschen Filmkritik und den Deutschen Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler. Die entscheidende schauspielerische Ausbildung erhielt er von 1958 bis 1963 am Deutschen Theater Göttingen unter Heinz Hilpert. In den 1960er Jahren wurde George vor allem durch Karl-May-Verfilmungen bekannt. 1962 spielte er den Farmersohn Fred Engel in Der Schatz im Silbersee und erhielt den Bambi als Bester Nachwuchsschauspieler. Als Sheriff in Sie nannten ihn Gringo führte er alle Stunts selbst durch. Von 1966 bis 1976 war er mit Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet (kennengelernt 1962 beim Bambi). Aus der Ehe stammt die 1967 geborene Tochter Tanja George, die später als Regisseurin tätig war. In den 1970ern spielte er vornehmlich Theater und in Fernsehproduktionen wie Der Kommissar, Tatort, Derrick und Der Alte. 1972 verpflichtete ihn Hansgünther Heyme an das Kölner Schauspielhaus, wo er den Martin Luther spielte. 1977 übernahm er die Hauptrolle des Franz Lang in Aus einem deutschen Leben. 1981 spielte er die Titelrolle in Büchners Dantons Tod bei den Salzburger Festspielen. Seinen größten Zuschauererfolg hatte George in den 1980ern mit den 29 Schimanski-Tatort-Folgen des WDR (1981–1991), die ihn zum Star machten. Der unkonventionelle, nonkonformistische Duisburger Hauptkommissar Horst Schimanski wurde seine Identifikationsrolle. 1990 trat er in Unter Brüdern auf – dem einzigen Crossover von Tatort und der DDR-Serie Polizeiruf 110. In den 1990ern zeigte George wachsende darstellerische Vielseitigkeit. In Der Sandmann (1995) spielte er den Serienmörder Henry Kupfer. In Die Bubi-Scholz-Story verkörperte er einen gealterten, gebrochenen Boxer. In Der Totmacher (1995) spielte er den Serienmörder Fritz Haarmann und erhielt dafür unter anderem die Coppa Volpi der Filmfestspiele von Venedig und seinen vierten Deutschen Filmpreis. In Nichts als die Wahrheit (1999) übernahm er – mit Latexmaske optisch gealtert – die Rolle des NS-Arztes Josef Mengele. Komödiantisch waren seine Rollen in Helmut Dietl-Filmen: Hermann Willié in Schtonk! (1992), Uhu Zigeuner in Rossini (1997), Bundeskanzler in Zettl (2012). Ab 1998 lebte George mit der Hamburger Journalistin Marika Ullrich zusammen; das Paar heiratete 2014. Seit 1986 war er Mitglied des TSV 1860 München. Er besaß eine Villa in Berlin-Zehlendorf und eine Dachgeschosswohnung in Hamburg-St. Georg sowie ein Haus in Sardinien. Ab 2010 engagierte sich George für die Deutsche Krebshilfe und das Benefiz-Projekt Rainer Wahnsinn sowie gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Sein letzter Filmauftritt war 2013 im Dokudrama George, in dem er seinen Vater Heinrich George spielte – eine Reflexion über künstlerische Verantwortung in Diktaturen. George starb am 19. Juni 2016 im Alter von 77 Jahren in Hamburg. Er wurde in Zehlendorf bei Berlin beerdigt, wenige Meter neben der Grabstelle seines Vaters.

Lebensstationen

  • 1938
    Geburt in Berlin am 23. Juli
  • 1946
    Vater Heinrich George stirbt als Gefangener in Sachsenhausen
  • 1950
    Bühnendebüt mit 12 Jahren – Hebbel-Theater Berlin
  • 1953
    Erste Filmrolle neben Romy Schneider in Wenn der weiße Flieder wieder blüht
  • 1953
    Richard III. mit Mutter Berta Drews
  • 1955–1958
    Studium UFA-Nachwuchsstudio Berlin
  • 1957
    Erste Hauptrolle in Alter Kahn und junge Liebe (DEFA)
  • 1958–1963
    Ausbildung Deutsches Theater Göttingen (Heinz Hilpert)
  • 1959
    Durchbruch Jacqueline – Preis Filmkritik & Deutscher Filmpreis
  • 1962
    Der Schatz im Silbersee (Karl-May-Reihe, Farmersohn Fred)
  • 1962
    Bambi Bester Nachwuchsschauspieler (begegnet Loni von Friedl)
  • 1965
    Sie nannten ihn Gringo (Sheriff, alle Stunts selbst)
  • 1966–1976
    Ehe mit Schauspielerin Loni von Friedl
  • 1967
    Tochter Tanja George geboren
  • 1970er
    Schwerpunkt Theater & Fernsehen (Der Kommissar, Tatort, Derrick, Der Alte)
  • 1972
    Kölner Schauspielhaus – Martin Luther (Hansgünther Heyme)
  • 1977
    Hauptrolle Aus einem deutschen Leben (Franz Lang, KZ-Kommandant)
  • 1981
    Dantons Tod (Salzburger Festspiele, Titelrolle)
  • 1981–1991
    29 Schimanski-Tatort-Folgen (WDR) – Weltruhm & Identifikationsrolle
  • 1985
    Deutscher Darstellerpreis für Tatort-Serie
  • 1985
    Filmband Gold für Abwärts
  • 1990
    Unter Brüdern – Einziger Tatort/Polizeiruf-110-Crossover
  • 1995
    Der Sandmann – Serienmörder Henry Kupfer
  • 1995
    Der Totmacher – Fritz Haarmann (Coppa Volpi Venedig)
  • 1992
    Schtonk! – Reporter Hermann Willié (Helmut Dietl)
  • 1995–1999
    Weitere Rollen: Bubi-Scholz, Nichts als die Wahrheit (Mengele, Latexmaske)
  • 1998
    Zusammenleben mit Journalistin Marika Ullrich
  • 1986
    Mitglied TSV 1860 München (Lebensmitglied 1860 Mark gezahlt)
  • 2000er
    Continued Schimanski-Einsätze, Theater-Tourneen, Benefiz-Engagement
  • 2007
    Deutscher Fernsehpreis – Ehrenpreis
  • 2009
    Platin-Romy für Lebenswerk
  • 2010
    Engagement Deutsche Krebshilfe & Projekt Rainer Wahnsinn
  • 2010
    Stern auf Boulevard der Stars Berlin
  • 2013
    Letzter Filmauftritt: George – spielt seinen Vater Heinrich
  • 2013
    Deutscher Schauspielerpreis – Ehrenpreis für Lebenswerk
  • 2014
    Hochzeit mit Marika Ullrich (Journalistin seit 1998)
  • 2014
    Großes Verdienstkreuz Bundesrepublik Deutschland
  • 2016
    Tod am 19. Juni in Hamburg im Alter von 77 Jahren

Auszeichnungen & Tätigkeiten

🏅
Filmband Silber (Bester Nachwuchsschauspieler) für Jacqueline
1960
🏅
Preis der deutschen Filmkritik für Jacqueline
1961
🏅
Bambi Bester Nachwuchsschauspieler
1962
🏅
Bambi (zweite Auszeichnung)
1984
🏅
Deutscher Darstellerpreis für Tatort-Serie
1985
🏅
Filmband Gold (Bester Darsteller) für Abwärts
1985
🏅
Bravo Otto in Bronze (Schauspieler)
1985
🏅
Jupiter (Bester Darsteller)
1985
🏅
Adolf-Grimme-Preis Gold für Tatort – Moltke
1989
🏅
Goldener Gong für Schulz und Schulz
1989
🏅
Goldene Kamera
1992
🏅
Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis)
1992
🏅
Bambi (dritte Auszeichnung)
1992
🏅
Bayerischer Fernsehpreis für Tatort – Der Fall Schimanski
1992
🏅
Filmband Gold (Bester Darsteller) für Schtonk!
1992
🏅
Verdienstkreuz Bundesrepublik Deutschland
1993
🏅
DIVA-Award
1994
🏅
Bayerischer Filmpreis (Bester Darsteller) für Der Sandmann
1995
🏅
Coppa Volpi (Darstellerpreis Venedig) für Der Totmacher
1995
🏅
Telestar (Bester Darsteller Fernsehspiel) für Das Schwein
1995
🏅
Filmband Gold (Bester Darsteller) für Der Totmacher
1996
🏅
Adolf-Grimme-Preis Gold für Der Sandmann
1996
🏅
Goldener Löwe RTL (Bester Darsteller Fernsehfilm) für Der Sandmann
1996
🏅
Verdienstorden NRW
1996
🏅
Goldene Romy (Beliebtester Schauspieler)
1998
🏅
Jupiter (Bester Darsteller)
2000
🏅
Silberne Iris Brüssel International Film Festival für Nichts als die Wahrheit
2000
🏅
Goldene Kamera (Publikumspreis mit Eberhard Feik)
2001
🏅
Goldene Feder für Lebenswerk
2001
🏅
Publikumspreis Marler Gruppe für Mein Vater
2003
🏅
Bayerischer Fernsehpreis für Mein Vater
2003
🏅
Emmy für Mein Vater
2003
🏅
Verdienstorden Berlin
2003
🏅
Goldener Ochse Ehrenpreis (Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern)
2004
🏅
Deutscher Fernsehpreis Ehrenpreis
2007
🏅
Platin-Romy für Lebenswerk
2009
🏅
Rheinlandtaler (Identifikationsfigur Region)
2010
🏅
Stern Boulevard der Stars Berlin
2010
🏅
DIVA Deutscher Entertainment Preis
2011
🏅
Publikumspreis Marler Gruppe für Zivilcourage
2011
🏅
Deutscher Schauspielerpreis Ehrenpreis für Lebenswerk
2013
🏅
Großes Verdienstkreuz Bundesrepublik Deutschland
2014
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