Nicht jeder Mensch fühlt sich einer organisierten Religion zugehörig – und nicht jeder möchte einen konventionellen Abschied. In den letzten Jahren wächst die Zahl der Menschen, die sich eine naturnahe, spirituelle oder ganz individuelle Bestattung wünschen. Ob Baumbestattung im Wald, eine schamanische Zeremonie, eine freie Trauerfeier mit selbstgewählten Ritualen oder eine stille Beisetzung in den Bergen – die Möglichkeiten sind vielfältig.
„Naturspirituell" ist ein weiter Begriff, der viele verschiedene Ansätze umfasst – von keltischen und germanischen Traditionen über Schamanismus und Erdgebundene Spiritualität bis hin zu freien, selbstgestalteten Zeremonien ohne jeglichen religiösen Rahmen. Gemeinsam ist ihnen: Die Verbindung zur Natur, die Freiheit der Gestaltung und der Fokus auf persönliche Bedeutung statt institutioneller Vorgaben.
Viele Menschen, die sich als naturspirituell verstehen, glauben an die Kreisläufe der Natur – Geburt, Wachstum, Tod und Wiedergeburt als natürliche Prozesse. Der Tod wird als Rückkehr zur Erde gesehen, als Teil eines größeren Ganzen. Manche glauben an Reinkarnation, andere an eine Auflösung ins Universum, wieder andere sehen den Tod pragmatisch als Ende – aber alle teilen den Wunsch, den Abschied individuell und bedeutungsvoll zu gestalten.
Wichtig: Auch alternative Bestattungen müssen in Deutschland den gesetzlichen Vorgaben entsprechen (Friedhofspflicht, Bestattungsfristen, Genehmigungen). Kreativität ist möglich – innerhalb des rechtlichen Rahmens. Wir zeigen, wie es geht.
Wer eine naturnahe oder alternative Bestattung wünscht, hat in Deutschland mehrere Möglichkeiten – einige davon sind inzwischen etabliert, andere erfordern etwas mehr Planung.
Die Baumbestattung ist die beliebteste alternative Bestattungsform in Deutschland. Die Urne wird an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt – in einem speziell dafür zugelassenen Bestattungswald wie FriedWald oder RuheForst. Es gibt über 200 solcher Wälder in Deutschland.
Vorteile: Naturverbundenheit, keine Grabpflege nötig, ruhige Atmosphäre, ökologisch sinnvoll
Ablauf: Vorauswahl des Baumes (Familien-, Freundschafts- oder Gemeinschaftsbaum), Trauerfeier am Baum oder im Andachtsraum, Beisetzung der Urne
Kosten: 3.000–6.500 € (inkl. Kremation, Baumgrabstätte für 99 Jahre, keine Folgekosten)
Die Seebestattung ist eine würdevolle Alternative für Menschen mit Bezug zum Meer. Die Urne wird von einem Schiff aus in Nord- oder Ostsee versenkt – außerhalb der Dreimeilenzone, wo sie sich am Meeresgrund auflöst.
Vorteile: Symbolische Rückkehr ins Element Wasser, keine Grabpflege, Angehörige können den Ort später besuchen (Koordinaten werden übergeben)
Ablauf: Trauerfeier an Land oder auf dem Schiff, Urne wird mit seemännischen Ehren ins Wasser gelassen, Blumen werden gestreut
Kosten: 3.000–5.500 € (inkl. Kremation, Seebestattungsurne, Schifffahrt)
In der Schweiz ist es erlaubt, die Asche auf einer Almwiese zu verstreuen – eine Möglichkeit für alle, die eine alpine Ruhestätte wünschen. Spezielle Anbieter organisieren die Überführung und Beisetzung.
Kosten: 4.000–7.000 € (inkl. Kremation in Deutschland, Überführung, Zeremonie in der Schweiz)
Einige progressive Friedhöfe bieten Naturbereiche an – Wiesen ohne Grabsteine, nur mit Blumen oder kleinen Holzschildern gekennzeichnet. Ähnlich wie Waldbestattung, aber auf einem klassischen Friedhof.
Moderne Urnenwände werden zunehmend naturnah gestaltet – mit Pflanzen, Holz und Stein. Die Urne wird in einer kleinen Nische beigesetzt.
Eine kleine Menge Asche wird zu einem synthetischen Diamanten gepresst, den die Angehörigen als Schmuckstück tragen können. Die restliche Asche wird regulär beigesetzt.
Kosten: 4.500–12.000 € (zusätzlich zur normalen Bestattung)
Eine Kleinstmenge Asche wird in einer Kapsel ins All geschickt – entweder in den Orbit oder als Teil einer Weltraummission. Die restliche Asche wird auf der Erde beigesetzt. Rein symbolisch, aber für Raumfahrt-Enthusiasten eine Option.
Kosten: ab 3.000 € für symbolische Menge
Eine naturspirituell oder alternativ gestaltete Trauerfeier kann komplett frei gestaltet werden – ohne Priester, ohne liturgische Vorgaben. Sie können sich einen freien Redner, einen Zeremonienmeister oder einen schamanischen Begleiter suchen – oder die Feier selbst gestalten.
Ein Redner oder Familienmitglied eröffnet die Feier, stellt den Rahmen vor und lädt zur gemeinsamen Erinnerung ein.
Traditionelle Räucherpflanzen (Salbei, Beifuß, Lavendel) werden angezündet, um den Raum zu reinigen und die Seele zu begleiten – eine Praxis aus vielen indigenen Kulturen.
Lieblingsmusik des Verstorbenen, Live-Musik (Gitarre, Trommel, Flöte) oder gemeinsames Singen. Alles ist erlaubt – von klassisch bis Rock.
Gedichte (z.B. Rilke, Hesse, indianische Weisheiten), philosophische Texte, Naturtexte oder selbstverfasste Worte werden vorgetragen.
Angehörige und Freunde teilen Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen – das Herzstück jeder freien Feier.
Kerzen anzünden, Steine ablegen, einen Baum pflanzen, Luftballons steigen lassen, ein Mandala legen – kreative, symbolische Handlungen, die Bedeutung schaffen.
Eine gemeinsame Schweigeminute, eine geführte Meditation oder einfach stilles Gedenken.
Jeder Gast hat die Möglichkeit, sich persönlich zu verabschieden – eine Blume niederlegen, die Hand auflegen, ein Wort sprechen.
Manche Menschen wünschen sich eine schamanische Trauerbegleitung. Ein Schamane oder eine Schamanin führt Rituale durch, die die Seele auf ihrem Weg begleiten sollen – mit Trommel, Gesang, Räucherung und Seelenreisen. Diese Zeremonien sind oft sehr intensiv und emotional.
Wo finden: Schamanische Zentren, spirituelle Gemeinschaften, freie Schamanen. Achten Sie auf Seriosität und Empfehlungen.
Kosten: 300–800 € für eine vollständige Zeremonie
Für Menschen mit Interesse an keltischer oder germanischer Spiritualität gibt es spezialisierte Zeremonienleiter, die Bestattungen nach alten Traditionen gestalten – mit Feuer, Runensteinen, keltischen Gebeten und Naturverbindung.
Auch wenn Sie eine alternative Bestattung wünschen, müssen Sie sich an die deutschen Bestattungsgesetze halten. Die gute Nachricht: Innerhalb dieser Grenzen ist viel Kreativität möglich.
In Deutschland besteht Friedhofspflicht – das bedeutet, die Urne oder der Sarg muss an einem zugelassenen Ort beigesetzt werden. Das kann sein: Ein Friedhof, ein Bestattungswald (FriedWald/RuheForst), die See (Nord-/Ostsee) oder bestimmte Naturbestattungsorte.
Nicht erlaubt: Verstreuen der Asche im eigenen Garten, Aufbewahrung der Urne zu Hause, Beisetzung auf privatem Grundstück (außer Bremen unter strengen Auflagen).
Beide sind erlaubt. Für naturnahe Bestattungen ist die Feuerbestattung meist praktischer, da sie mehr Flexibilität bietet (Wald, See, Schweiz). Erdbestattung ist auf klassische Friedhöfe beschränkt.
Die Bestattung muss innerhalb von 4–10 Tagen nach dem Tod erfolgen (je nach Bundesland). Bei Feuerbestattung: Die Kremation muss innerhalb von 10 Tagen erfolgen, die Urnenbeisetzung kann später stattfinden.
Ihr Bestatter kümmert sich um alle Genehmigungen (Totenschein, Kremationsgenehmigung, Bestattungsgenehmigung). Für Seebestattung, Überführung ins Ausland oder spezielle Orte sind zusätzliche Genehmigungen nötig.
Viele naturverbundene Menschen wünschen sich eine ökologisch nachhaltige Bestattung – mit minimalem CO₂-Fußabdruck und ohne Umweltbelastung.
Kosten: 400–1.500 € (günstiger als herkömmliche Holzsärge)
Keine Einbalsamierung, keine chemische Konservierung, keine Kunststoffauskleidung im Sarg – nur natürliche Materialien.
Eine Feuerbestattung verursacht etwa 150–200 kg CO₂. Erdbestattung hat eine bessere Bilanz, erfordert aber Grabpflege (Rasenmäher, Wasser, Transport). Waldbestattung gilt als besonders ökologisch – der Wald bindet CO₂ und bleibt unberührt.
Alternative Bestattungen sind oft günstiger als klassische Bestattungen, da weniger Folgekosten (Grabpflege, Grabstein) anfallen.
| Bestattungsform | Kosten (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Baumbestattung (FriedWald) | 3.000 – 6.500 € | Inkl. Kremation, Baumgrab für 99 Jahre, keine Folgekosten |
| Seebestattung | 3.000 – 5.500 € | Inkl. Kremation, Seebestattungsurne, Schifffahrt |
| Naturfriedhof (Wiese) | 2.500 – 5.000 € | Inkl. Kremation, Grabstätte ohne Stein, geringe Folgekosten |
| Almwiesenbestattung (Schweiz) | 4.000 – 7.000 € | Inkl. Kremation, Überführung, Zeremonie in der Schweiz |
| Anonyme Feuerbestattung | 2.000 – 3.500 € | Günstigste Option, kein Grab, keine Trauerfeier |
| Freie Trauerfeier (freier Redner) | + 200 – 600 € | Zusätzlich zur Bestattung, individuell gestaltet |
| Schamanische Zeremonie | + 300 – 800 € | Zusätzlich zur Bestattung |
| Ökologischer Sarg (Weide, Pappe) | 400 – 1.500 € | Günstiger als Holzsärge |
Spartipp: Die günstigste naturnahe Bestattung ist eine einfache Feuerbestattung mit Baumgrab im FriedWald – ab 3.000 €, ohne Folgekosten. Nachhaltiger geht's kaum!
Nein, in Deutschland ist das Verstreuen von Asche im eigenen Garten nicht erlaubt. Es besteht Friedhofspflicht – die Asche muss an einem zugelassenen Ort beigesetzt werden (Friedhof, Wald, See). Eine Ausnahme gibt es nur in Bremen, wo unter strengen Auflagen eine Beisetzung auf privatem Grund möglich ist. Alternativen: Seebestattung in Nord-/Ostsee oder Überführung in die Schweiz, wo Aschestreuung in der Natur erlaubt ist.
Ja, absolut! Sie können die Trauerfeier komplett selbst gestalten – ohne Priester, ohne freien Redner. Sie können Texte vorlesen, Musik spielen, Rituale durchführen und den Ablauf frei bestimmen. Viele Angehörige gestalten gemeinsam eine sehr persönliche Feier. Wichtig: Planen Sie sorgfältig und benennen Sie jemanden, der den Ablauf moderiert – in der Trauer kann es schwierig sein, selbst den Überblick zu behalten.
Ja, die Waldbestattung gilt als sehr ökologisch: Die Urne ist biologisch abbaubar, der Wald bleibt unberührt (keine Grabpflege = kein Rasenmäher, kein Wasser, kein Transport), und der Baum bindet weiter CO₂. Die Kremation selbst verursacht zwar CO₂ (ca. 150–200 kg), aber über die 99 Jahre Nutzungsdauer ist die Bilanz deutlich besser als bei einer klassischen Erdbestattung mit jahrzehntelanger Grabpflege.
FriedWald und RuheForst sind zwei konkurrierende Anbieter für Waldbestattungen – das Konzept ist identisch. FriedWald ist die bekanntere Marke und hat etwa 85 Standorte in Deutschland, RuheForst hat ca. 70 Standorte. Die Kosten sind vergleichbar (2.500–5.000 € für die Baumgrabstätte + Kremation). Beide bieten Familienbaum (für mehrere Urnen), Freundschaftsbaum oder Gemeinschaftsbaum. Schauen Sie, welcher Wald in Ihrer Nähe liegt und besuchen Sie ihn vor der Entscheidung.
Ja, ökologische Särge (Weide, Pappe, unbehandeltes Holz) können auch für Erdbestattung verwendet werden. Sie zersetzen sich schneller als behandelte Holzsärge und sind umweltfreundlicher. Manche Friedhöfe fördern das sogar durch günstigere Grabgebühren. Fragen Sie bei Ihrem Bestatter nach ökologischen Optionen – viele bieten inzwischen solche Särge an.
Eine schamanische Trauerbegleitung kostet in der Regel zwischen 300 und 800 €, abhängig vom Umfang der Zeremonie. Manche Schamanen bieten auch mehrteilige Begleitungen an (Vorgespräch, Zeremonie, Nachbetreuung), die entsprechend teurer sind. Achten Sie auf Seriosität: Fragen Sie nach Ausbildung, Erfahrung und Referenzen. Seriöse Schamanen arbeiten respektvoll und ohne überzogene Versprechungen.
Ja, aber verwenden Sie biologisch abbaubare Ballons aus Naturlatex. Normale Ballons aus Kunststoff sind umweltschädlich und töten Tiere, die sie fressen. Biologisch abbaubare Ballons zersetzen sich innerhalb weniger Monate. Alternativ: Pflanzbare Karten, Schmetterlinge (im Sommer), Seifenblasen oder Vogelfutter-Kugeln – symbolisch und ökologisch vertretbar.
Ja, viele naturspirituell eingestellte Menschen gestalten eigene Gedenkrituale: Besuche am Baum zu besonderen Daten (Geburtstag, Todestag, Sonnenwende), Jahreskreisfeste (Samhain, Ostara), Meditation in der Natur, Pflanzen eines Gedenkbaumes im eigenen Garten oder das Anlegen eines kleinen Altars zu Hause mit Kerzen, Steinen und Erinnerungsstücken. Schamanische Gemeinschaften bieten oft Ahnenrituale an, bei denen Verstorbene geehrt werden.
Die Erde ist nicht nur unter unseren Füßen, sie ist in uns. Wenn wir sterben, kehren wir zu ihr zurück – nicht als Ende, sondern als Teil des ewigen Kreislaufs.