Bei der Weltraumbestattung (englisch „Memorial Spaceflight") wird eine winzige Menge der Asche eines Verstorbenen in einer kleinen Kapsel per Rakete ins All transportiert. Je nach gewählter Mission umkreist die Kapsel die Erde, fliegt zum Mond oder verschwindet für immer im tiefen Weltall. Die restliche Asche wird auf Erden ganz normal beigesetzt.
Die Idee ist nicht neu — bereits 1931 beschrieb der Science-Fiction-Autor Neil R. Jones in der Pulp-Story „The Jameson Satellite" einen Menschen, der seinen Körper in den Erdorbit schickt. Heute ist die Weltraumbestattung Realität: Über 24 Memorial-Spaceflights wurden bereits durchgeführt — bekannte Teilnehmer waren Gene Roddenberry (Star-Trek-Schöpfer), James Doohan (Scotty), Nichelle Nichols (Lt. Uhura), DeForest Kelley (Dr. McCoy), Astronaut Gordon Cooper sowie der Pluto-Entdecker Clyde Tombaugh (dessen Asche an Bord der NASA-Sonde New Horizons als erstes menschliches Material das Sonnensystem verlassen wird).
Voraussetzung: Eine Weltraumbestattung setzt eine vorherige Einäscherung voraus (wie bei der Feuerbestattung). Da nur eine winzige Menge ins All fliegt, muss die restliche Asche in Deutschland regulär beigesetzt werden — der Friedhofszwang gilt weiter.
Wer an Weltraumbestattung denkt, hat oft eine spektakuläre Szene aus „Star Trek II: Der Zorn des Khan" (1982) im Kopf: Spock liegt in einem schwarzen Sarg, Kirk hält eine bewegende Trauerrede, „Amazing Grace" auf dem Dudelsack erklingt — und der Sarg wird mit einem Photonen-Torpedo majestätisch ins All abgeschossen, hinaus zum Genesis-Planeten. Eine ergreifende, fast religiöse Zeremonie.
Die Realität ist… deutlich nüchterner. 😅
In Wirklichkeit ist es kein Sarg, der ins All geschossen wird, sondern eine winzige Aluminium-Kapsel, kaum größer als ein Lippenstift. Darin: 1 bis 7 Gramm Asche — eine symbolische Menge, mehr nicht. Die Kapsel fliegt nicht alleine, sondern als sekundäre Nutzlast auf einer kommerziellen Rakete (z.B. SpaceX Falcon 9), die eigentlich Satelliten ins All bringt. Mehrere Hundert Kapseln werden gleichzeitig transportiert.
Die Rakete startet nicht extra für Sie — Ihre Kapsel ist Beifracht. Daher die langen Wartezeiten: Bis genug Kapseln gesammelt sind und ein passender Raketenstart ansteht, vergehen oft 1 bis 3 Jahre. Beim Start sehen die Angehörigen nur die übliche Rakete abheben — kein dramatischer Photonen-Torpedo-Auswurf.
Die preisgünstigste Variante (Erdorbit) bedeutet: Die Kapsel kreist 2 Monate bis mehrere Jahre um die Erde — danach verglüht sie wie eine Sternschnuppe in der Atmosphäre. Im April 2025 wurde z.B. das Wiedereintrittsleuchten der Celestis-„Excelsior Flight" über Alaska als wunderschöner Spiralwirbel verifiziert.
Viele Anbieter sprechen daher heute nicht mehr von „Bestattung", sondern von „Memorial Spaceflight" — Gedenkraumflug. Denn nach den ethischen Grundsätzen der International Cremation Federation (ICF) gilt: „Die Asche einer Person ist grundsätzlich unteilbar." Die Praxis, nur Teile der Asche ins All zu schicken, widerspricht diesem Grundsatz — daher der vorsichtige neue Begriff.
🖖 Trekkie-Wissen: Gene Roddenberry, Schöpfer von Star Trek, war übrigens der erste Mensch, dessen Asche dreimal ins All flog: 1992 inoffiziell mit dem Space Shuttle Columbia (in den Privatgepäckstücken eines NASA-Astronauten), 1997 mit der Celestis Founders Flight (verglühte 2002) und in einer geplanten Tiefraum-Mission gemeinsam mit seiner Frau Majel Barrett-Roddenberry sowie James Doohan („Scotty"). Eine wirklich finale Frontier. ✨
Anbieter wie Celestis bieten vier unterschiedliche „Service Destinations" an — vom kurzen Ausflug bis zur ewigen Reise.
Die Kapsel erreicht den Weltraum-Beginn (rund 100 km Höhe), kehrt dann zur Erde zurück. Sie wird geborgen und an die Angehörigen übergeben — als Erinnerungsstück, das tatsächlich im All war.
Kosten: ab ca. 3.000 € (3.495 USD)
Dauer im All: wenige Minuten
Die Kapsel umkreist die Erde 2 Monate bis 5 Jahre lang in einer niedrigen Umlaufbahn. Beim Wiedereintritt verglüht sie wie eine Sternschnuppe. Die Position der Kapsel kann via App und Website live verfolgt werden — ein einzigartiger Trauerort am Himmel.
Kosten: ab ca. 4.500 € (4.995 USD)
Dauer im All: 2 Monate bis 5 Jahre
Die Kapsel wird zum Mond gebracht und entweder in eine Mondumlaufbahn entlassen oder auf der Mondoberfläche deponiert. Ewige Ruhe auf dem Mond. Die nächste Celestis-Luna-Mission („Destiny Flight") ist für Q4 2026 geplant.
Kosten: ab ca. 11.500 € (12.500 USD)
Dauer im All: dauerhaft
Die Kapsel verlässt das Erde-Mond-System und reist für immer ins tiefe Weltall — in eine Sonnenumlaufbahn oder darüber hinaus. Die ehrgeizigste Variante. Celestis' „Infinite Flight" ist für Q4 2026 geplant.
Kosten: ab ca. 11.500 € (12.500 USD)
Dauer im All: unendlich
Die Weltraumbestattung ist ein Nischenmarkt mit wenigen, hochspezialisierten Anbietern. Der Marktführer kommt seit fast 30 Jahren aus den USA.
Der unangefochtene Pionier und Marktführer. Gegründet 1994, erste Mission 1997 (Founders Flight). Bisher 24+ erfolgreiche Memorial Spaceflights. Vier Service-Destinationen (Earth Rise, Earth Orbit, Luna, Voyager). Preise ab 3.495 USD. Kunden aus über 35 Nationen. Bietet auch Pet Memorials (Hunde, Katzen) und DNA-Flüge (zu Lebzeiten). Vor jedem Start: dreitägige Memorial-Veranstaltungen am Cape Canaveral mit Astronauten-Dinner, Startplatz-Tour und Live-Webcast.
2017 gegründet. Erste Mission 2018 (Elysium Star 2 mit ca. 100 Kapseln). 2019 zweite Mission (OTB-Satellit, ca. 200 Kapseln). Etwas günstiger als Celestis, aber kleinere Auswahl. 2023 kündigte der japanische Manga-Schöpfer Leiji Matsumoto (Galaxy Express 999) eine Elysium-Mission an.
Erster japanischer Anbieter. Erste Mission im April 2022 mit SpaceX Falcon-9 (Transporter-4). Bisher noch wenige Missionen, aber wachsende Bedeutung im asiatischen Markt.
Vereinzelt gibt es europäische Vermittler, die Asche-Kapseln über Celestis oder Elysium ins All schicken. Eigene europäische Anbieter mit eigenen Raketen gibt es bisher nicht — Raketenstarts sind nur in den USA, Russland und vereinzelt Japan möglich.
💡 Hinweis für Bestatter: Wir, das Pforte.de-Team, suchen gerne Kontakte zu Firmen, Bestattungsinstituten und Anbietern, die diese spektakuläre Bestattungsart anbieten oder vermitteln. Eine Zusammenarbeit ist sehr willkommen. 🚀
Über einen deutschen Bestatter oder direkt bei einem Anbieter wie Celestis. Auswahl der Mission (Earth Rise, Earth Orbit, Luna, Voyager). Ratenzahlung oder Vorsorge-Verträge möglich.
Reguläre Kremation im Krematorium. Keine besonderen Anforderungen — die Asche entspricht der einer normalen Feuerbestattung.
1–7 g Asche werden in ein Flight Sampling Kit gefüllt (per Post vom Anbieter zugeschickt) und in die USA versendet. Inklusive aller Zoll-Dokumente — der Anbieter unterstützt bei der Abwicklung.
Im Reinraum wird die Asche in eine Aluminium-Kapsel mit Lasergravur (Name, Daten, evtl. Spruch) gefüllt und versiegelt. Foto wird an die Angehörigen geschickt.
Bis genug Kapseln gesammelt sind und ein passender Raketenstart ansteht. Während der Wartezeit erhalten Sie regelmäßig Status-Updates.
Drei Tage vor dem Start: Memorial-Veranstaltung am Cape Canaveral mit Astronauten-Dinner, Startplatz-Tour, Trauerfeier. Bis zu 20 Gäste pro Familie willkommen. Live-Webcast für alle, die nicht reisen können.
Bei Earth-Orbit-Missionen: Position der Kapsel live über App und Website verfolgbar. Bei Luna/Voyager: regelmäßige Mission-Updates.
Die überwiegende Asche wird in Deutschland regulär beigesetzt — z.B. in einem Urnengrab, Kolumbarium, Wald- oder Seebestattung. Friedhofszwang gilt weiterhin.
Die Weltraumbestattung ist eine Zusatzleistung zur regulären Bestattung — die Kosten kommen also obendrauf. Im Vergleich zur Diamantbestattung sind die Einstiegspreise für eine Erdorbit-Mission allerdings überraschend moderat.
| Variante | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Earth Rise (suborbital, Rückkehr) | 3.000 – 4.000 € |
| Earth Orbit (Sternschnuppe) | 4.500 – 5.500 € |
| Luna (Mond) | 11.500 – 14.000 € |
| Voyager (Tiefraum, ewig) | 11.500 – 25.000 € |
| + Reguläre Feuerbestattung in DE | 3.000 – 6.000 € |
| + Beisetzung Restasche | 1.500 – 3.500 € |
| + Versand & Zollabwicklung | 200 – 500 € |
| + Optional: Reise zum Cape Canaveral | 1.500 – 4.000 € (Pers.) |
| Gesamt (Earth Orbit, Standard) | 9.500 – 15.000 € |
| Gesamt (Voyager, Premium) | 17.000 – 35.000 € |
Tipp: Mehrere Anbieter bieten zinsfreie Ratenzahlung oder Vorsorge-Modelle mit Treuhandkonto an. So lässt sich die Mission zu Lebzeiten finanzieren — die Familie wird im Trauerfall finanziell entlastet.
Die Liste der Persönlichkeiten, deren Asche im All war oder noch fliegen wird, liest sich wie ein Who's-who der Raumfahrt- und Sci-Fi-Geschichte:
Die Weltraumbestattung ist in Deutschland als Zusatzleistung erlaubt, solange:
⚠️ Ethischer Hinweis: Die International Cremation Federation (ICF) sieht das Aufteilen der Asche kritisch. Daher der Trend zum Begriff „Memorial Spaceflight" statt „Bestattung".
Nein — nur eine winzige, symbolische Menge von 1 bis 7 Gramm. Eine durchschnittliche Kremationsasche wiegt etwa 2–3 kg. Der Rest wird in Deutschland ganz regulär beigesetzt. Die Weltraumbestattung ist also kein Ersatz, sondern ein Zusatz zur normalen Bestattung.
😄 Leider nein. Spocks dramatische Bestattung mit Photonen-Torpedo und Dudelsack ist Hollywood. In der Realität fliegt eine kleine Aluminium-Kapsel (lippenstift-groß) als Beifracht einer kommerziellen Satelliten-Rakete mit. Trotzdem ist es ein bewegender Moment — drei Tage Memorial-Events, Live-Webcast, ein echter Raketenstart. Nur eben weniger Photonen-Torpedo-Drama.
Ja — solange die restliche Asche regulär in Deutschland beigesetzt wird (Friedhofszwang). Der Versand einer winzigen Kapsel ins Ausland ist erlaubt und die Anbieter helfen bei der Zollabwicklung.
Typischerweise 1 bis 3 Jahre. Da Memorial-Kapseln als Beifracht („secondary payload") fliegen, müssen sie auf einen passenden Raketenstart warten. Die Anbieter informieren laufend über den Status. Kurze Wartezeiten gibt es bei Earth-Rise-Missionen, lange bei Luna- oder Voyager-Missionen.
Ja! Celestis lädt jede Familie zu einem dreitägigen Memorial-Event am Cape Canaveral ein — bis zu 20 Gäste pro Teilnehmer sind willkommen. Inkludiert sind: Astronauten-Dinner, Startplatz-Tour, Trauerfeier und Live-Beobachtung des Raketenstarts. Wer nicht reisen kann, sieht den Start im weltweiten Live-Webcast.
Ja, bei Earth-Orbit-Missionen können Sie die Position Ihrer Kapsel in Echtzeit auf der Anbieter-Website oder per App verfolgen. Sie sehen, wann sie über Ihrem Kopf vorbeifliegt — ein einzigartiger Trauerort am Himmel. Bei Luna- und Voyager-Missionen erhalten Sie regelmäßige Status-Updates der Mission.
Ja! Celestis bietet Pet Memorial Spaceflights für Hunde, Katzen und andere Tiere an — entweder in einer eigenen Kapsel oder gemeinsam mit dem Halter in einer Familienkapsel. Auch das ist möglich: bis zu 7 Gramm Asche pro Kapsel, mehrere Personen/Tiere können kombiniert werden.
Bei Earth-Orbit-Missionen verglüht die Kapsel mit der Asche in der Atmosphäre — wie eine Sternschnuppe. Im April 2025 wurde z.B. das spektakuläre Spiral-Leuchten von Celestis' „Excelsior Flight" über Fairbanks (Alaska) verifiziert. Bei Earth-Rise-Missionen kehrt die Kapsel zurück und wird an die Angehörigen übergeben.
Alle Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechts-, Steuer- oder Fachberatung dar. Die dargestellten Angaben — insbesondere zu Preisen, Zeiträumen, Abläufen, gesetzlichen Regelungen und Fristen — sind Richtwerte und können je nach Bundesland, Kommune, Krematorium, Bestattungsunternehmen und dem gewählten Umfang der Dienstleistungen erheblich abweichen.
Bestattungsrecht ist in Deutschland Ländersache. Regelungen zu Friedhofspflicht, Bestattungsfristen, Urnenaufbewahrung und Ascheverwendung können sich jederzeit ändern. Auch regionale Friedhofs- und Gebührensatzungen weichen voneinander ab.
Für verbindliche Auskünfte und eine individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Bestatter in Ihrer Nähe. Über unsere Bestatter-Suche finden Sie schnell und unkompliziert erfahrene Bestattungsunternehmen, die Sie persönlich und vor Ort kompetent beraten. Bei rechtlichen Fragen empfiehlt sich zusätzlich die Rücksprache mit einem Rechtsanwalt, bei steuerlichen Fragen mit einem Steuerberater.
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Letzte Aktualisierung: April 2026