♕ In Memoriam · Große Persönlichkeiten
Norbert Blüm
Politiker - (Norbert Sebastian Blüm)
"Denn eins ist sicher: Die Rente"
— Bundesregierungs-Werbekampagne 1986
- ✶ Geboren: Rüsselsheim am Main
- 十 Gestorben: Bonn
- ✦ Beigesetzt: Bonn (Alter Friedhof)
Kurzbiografie
Norbert Sebastian Blüm wurde am 21. Juli 1935 in Rüsselsheim am Main geboren. Nach seiner Volksschule absolvierte er von 1949 bis 1952 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Adam Opel und war IG-Metall-Mitglied ab 1950. Von 1957 an besuchte er das Abendgymnasium des Ketteler-Kollegs Mainz und bestand 1961 sein Abitur. Von 1961 bis 1967 studierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn die Fächer Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie (unter anderem bei Joseph Ratzinger). 1967 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Ferdinand Tönnies. Ab 1966 war er Redakteur der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Von 1968 bis 1975 war er Hauptgeschäftsführer der CDA, von 1977 bis 1987 Bundesvorsitzender. Seit 1950 war er CDU-Mitglied, von 1981 bis 1990 und 1992 bis 2000 stellvertretender Bundesvorsitzender. Von 1972 bis 1981 und 1983 bis 2002 saß er im Deutschen Bundestag. Von 1981 bis 1982 war er Berliner Senator. Am 4. Oktober 1982 wurde er von Bundeskanzler Helmut Kohl als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung berufen und war der einzige Minister, der während der gesamten Kohl-Kanzlerschaft im Kabinett blieb (bis 26. Oktober 1998). Während seiner Ministerzeit führte er die Pflegeversicherung ein und basierte seine Arbeit auf der Christlichen Soziallehre. Bekannt wurde er besonders durch die 1986er Bundesregierungs-Werbekampagne mit der Phrase „Die Rente ist sicher" (eigentlich: „Denn eins ist sicher: Die Rente"). 1987 reiste er nach Chile zur Colonia Dignidad und kritisierte Pinochet scharf für Menschenrechtsverletzungen. Er war Landesvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen von 1987 bis 1999 und 1990 CDU-Spitzenkandidat gegen Johannes Rau. Nach 1998 entfernte sich Blüm von der CDU-Linie, kritisierte die Agenda 2010, die Kopfpauschale und distanzierte sich von Kohl in der CDU-Spendenaffäre. Ab 2002 engagierte er sich verstärkt für Palästinenser und kritisierte Israels Nahostpolitik – Vorwürfe des Antisemitismus wies er strikt zurück. Seit 2010 hielt er die Hemmerle-Professur an der RWTH Aachen. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter „Gerechtigkeit. Eine Kritik des Homo oeconomicus" (2006) und „Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht" (2017). 2016 verbrachte er während der Flüchtlingskrise eine Nacht im Flüchtlingslager Idomeni. Im März 2019 erlitt Blüm eine Sepsis und fiel ins Koma; danach war er von der Schulter abwärts gelähmt. Er starb am 23. April 2020 im Alter von 84 Jahren in Bonn und wurde am 5. Mai 2020 auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Sein Lebensmotto war: „Tue recht und scheue niemand".
Lebensstationen
- 1935Geburt in Rüsselsheim am Main am 21. Juli
- 1949Volksschulabschluss, Beginn Lehre zum Werkzeugmacher
- 1950IG-Metall-Mitglied, Messdiener und Pfadfinder
- 1952Abschluss Werkzeugmacher-Lehre
- 1957Eintritt Abendgymnasium Ketteler-Kolleg Mainz
- 1961Abitur, Beginn Studium an Uni Bonn
- 1961-1967Studium Philosophie, Germanistik, Geschichte, Theologie (bei Joseph Ratzinger)
- 1964Heirat mit Marita, Ehefrau seit Studium kennengelernt
- 1967Promotion Dr. phil. über Ferdinand Tönnies
- 1966-1968Redakteur Zeitschrift Soziale Ordnung (CDA)
- 1968-1975Hauptgeschäftsführer Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft
- 1977-1987Bundesvorsitzender der CDA
- 1950-2000CDU-Mitglied, von 1981-1990 und 1992-2000 stellvertretender Bundesvorsitzender
- 1972-1981, 1983-2002Mitglied des Deutschen Bundestags
- 1981-1982Berliner Senator für Bundesangelegenheiten
- 1982-1998Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (Kabinett Kohl I-V)
- 1982Einziger Minister der gesamten Kohl-Kanzlerschaft (16 Jahre)
- 1984Einführung der Pflegeversicherung
- 1986Werbekampagne Die Rente ist sicher
- 1987Reise nach Chile – Kritik an Pinochet und Colonia Dignidad
- 1987-1999Landesvorsitzender CDU Nordrhein-Westfalen
- 1990CDU-Spitzenkandidat gegen Ministerpräsident Johannes Rau
- 1998Ende Ministerium nach Bundestagswahl
- 2002-2020Verstärkte Unterstützung für Palästinenser, Nahostpolitik-Kritik
- 2003Kritik Agenda 2010 und Kopfpauschale, Auseinandersetzung mit CDU-Kurs
- 2006Veröffentlichung Buch Gerechtigkeit
- 2010Hemmerle-Professur RWTH Aachen, Vorlesung am 75. Geburtstag
- 2012Streitschrift Über die Enteignung der Kindheit
- 2016Übernachtung Flüchtlingslager Idomeni (Flüchtlingskrise)
- 2019Sepsis, Koma, Lähmung von Schulter abwärts
- 2020Tod am 23. April in Bonn im Alter von 84 Jahren
- 2020Beisetzung Alter Friedhof Bonn (5. Mai)