♕ In Memoriam · Große Persönlichkeiten
Karl Lagerfeld
Maler / Künstler - (Karl Otto Lagerfeld)
"Es fängt mit mir an und hört mit mir auf"
— Karl Lagerfeld über sein Selbstverständnis
- ✶ Geboren: Hamburg
- 十 Gestorben: Neuilly-sur-Seine (Paris)
- ✦ Beigesetzt: Nanterre (Einäscherung 22. Februar 2019)
Kurzbiografie
Karl Otto Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Er wuchs als Sohn des wohlhabenden Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld und seiner Frau Elisabeth Bahlmann auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte er die Jürgen-Fuhlendorf-Schule in Bad Bramstedt und später die Bismarckschule in Hamburg. Ende August 1952 zog der sprachbegabte Lagerfeld nach Paris, wo er zunächst das Lycée Montaigne besuchte und anschließend eine private Zeichenschule absolvierte. 1954 gewann er den International Woolmark Prize für einen Mantel-Entwurf und begann danach eine Lehre als Schneider bei Pierre Balmain. Nach dreieinhalb Jahren wechselte er 1958 zu Jean Patou, wo er von 1958 bis 1963 Künstlerischer Direktor war. Danach war er freiberuflich für verschiedene Modefirmen tätig. 1963 wechselte er als künstlerischer Direktor zu Chloé, wo er bis 1978 Kollektionen entwickelte und 1972 mit der revolutionären Deco-Kollektion weltweite Anerkennung erlangte. Seit 1965 entwarf Lagerfeld für das italienische Modeunternehmen Fendi und schuf das ikonische umgekehrte FF-Logo (Zucca-Logo). 1974 gründete er unter dem Namen Karl Lagerfeld Impression sein erstes eigenes Unternehmen. Sein größter Durchbruch kam 1982, als ihn Chanel-Eigentümer Alain Wertheimer als Designer engagierte. Am 5. Februar 1983 präsentierte Lagerfeld seine erste Chanel-Kollektion und verhalf der angestaubten Marke durch moderne Interpretationen von Coco Chanel's Erbe wieder zu weltweiter Bedeutung. Die Umsätze explodierten, und Chanel wurde unter seiner Kreativdirektion zu einem Milliarden-Konzern. Lagerfeld behielt diese Position bis zu seinem Tod 2019 – 36 Jahre lang. Von 1992 bis 1997 war er auch wieder bei Chloé tätig. Mit seinen Markenzeichen – weiß gepuderter Zopf, hochstehender Vatermörder, dunkle Sonnenbrille – wurde Lagerfeld weltberühmt. Er gilt als Entdecker von Claudia Schiffer, die seine Muse wurde und 1993 mit einem mit Koranversen bestickten Mieder einen Skandal provozierte. 2004 erregte Lagerfeld Aufsehen durch eine Kollektion für H&M, sein erstes Discount-Projekt. Mit seiner Marke Karl Lagerfeld schuf er mehrere Labels für unterschiedliche Preissegmente. Ab 1987 betätigte sich Lagerfeld auch als Kunstfotograf und arbeitete eng mit Verleger Gerhard Steidl zusammen. Er veröffentlichte zahlreiche renommierte Fotobücher und seine Fotografien wurden in großen Galerien ausgestellt. Lagerfeld lebte überwiegend in Paris und bewohnte lange Zeit einen Flügel im historischen Hôtel Pozzo di Borgo. Ab 2007 lebte er in einem Appartement am Quai Voltaire (später für 10 Millionen Euro verkauft). Er besaß eine der weltweit größten Fotobuchsammlungen (etwa 300.000 Bücher in seiner Privatbibliothek) und war bekannt als äußerst disziplinierter Workaholic mit großer Allgemeinbildung. Seit dem Tod seines Lebenspartners Jacques de Bascher 1989 lebte Lagerfeld nach eigenen Angaben am liebsten allein. 2000 unterzog er sich einer drastischen Diät und nahm 42 Kilogramm ab, um Dior-Kleidungen des Designers Hedi Slimane tragen zu können. Seine Hauskatze Choupette (geb. 2011) wurde zur Berühmtheit mit eigenem Twitter-Account und stand 2013 auf dem Cover der deutschen Vogue. Lagerfeld war Kommandeur der französischen Ehrenlegion, erhielt zahlreiche renommierte Preise und wurde 2019 eine Springspinnenart nach ihm benannt (Jotus karllagerfeldi). Er starb am 19. Februar 2019 im Alter von 85 Jahren im Amerikanischen Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine. Laut französischen Medien litt er an Bauchspeicheldrüsenkrebs, ein deutscher Assistent bestätigte Prostatakrebs. Auf seinen Wunsch hin fand keine große öffentliche Trauerfeier statt. Sein Leichnam wurde am 22. Februar 2019 in Nanterre eingeäschert. Die Asche sollte teilweise mit der seiner Mutter verstreut werden, der andere Teil mit der seines verstorbenen Lebenspartners Jacques de Bascher vereint werden.
Lebensstationen
- 1933Geburt in Hamburg am 10. September (offiziell; gab später 1935/1938 an)
- 1944Familie flieht wegen Bombardierungen nach Bad Bramstedt
- 1949Familie kehrt nach Hamburg zurück
- 1952Umzug nach Paris (Ende August) – französischsprachig
- 1954International Woolmark Prize für Mantel-Entwurf
- 1954Lehre als Schneider bei Pierre Balmain
- 1958Wechsel zu Jean Patou – künstlerischer Direktor 1958–1963
- 1963Künstlerischer Direktor Chloé
- 1965/1964Designaufträge Fendi (römisches Modeunternehmen) – 54 Jahre lang bis 2019
- 1965Entwurf ikonisches Fendi FF-Logo (Zucca)
- 1972Weltweite Anerkennung: Deco-Kollektion Chloé (Schwarzweiß-Asymmetrie)
- 1974Gründung Karl Lagerfeld Impression (erstes eigenes Label)
- 1978Abgang von Chloé nach Unstimmigkeiten
- 19824. Oktober: Anstellung Chanel von Alain Wertheimer
- 19835. Februar: Premiere erste Chanel-Kollektion
- 1983–2019Kreativdirektor & Chefdesigner Chanel (36 Jahre)
- 1987Entdeckung Fotografie als neues Betätigungsfeld
- 1989Tod Lebenspartner Jacques de Bascher
- 1989Bambi-Auszeichnung
- 1992–1997Erneut Chefdesigner Chloé
- 1993Beginn enge Zusammenarbeit mit Verleger Gerhard Steidl (Fotobücher)
- 1993Claudia Schiffer als Muse mit skandalem Koranverse-Mieder
- 1996Kulturpreis Deutsche Gesellschaft für Photographie
- 1999Eröffnung Buchladen 7L Paris
- 2000Gründung Edition 7L Verlag mit Steidl
- 2000Drastische Diät: 42 kg Gewichtsverlust in 13 Monaten
- 2004Kollektion für H&M – Discount-Mode-Aufsehen
- 2004Photobuch-Sammlung weltweit größte (später ~300.000 Bücher Privatbibliothek)
- 2005Bambi-Auszeichnung (zweite)
- 2006–2007One Man Shown: Brad Kroenig 350 Fotos in C/O Berlin Ausstellung
- 2007Umzug Appartement Quai Voltaire 17 Paris (gegenüber Louvre)
- 2010Kommandeur der französischen Ehrenlegion
- 2010Gründung Imprint L.S.D. (Lagerfeld.Steidl.Druckerei) mit Steidl
- 2011Hauskatze Choupette Geburt (wird berühmt mit Twitter)
- 2012The Little Black Jacket Buch: Stiftung Buchkunst-Auszeichnung
- 2013Choupette auf Cover deutsche Vogue mit Linda Evangelista
- 2015Outstanding Achievement Award British Fashion Council
- 2017Médaille Grand Vermeil Stadt Paris
- 2019Springspinnenart Jotus karllagerfeldi nach ihm benannt
- 2019Tod am 19. Februar in Neuilly-sur-Seine (85 Jahre) – Krebs
- 2019Einäscherung 22. Februar Nanterre (keine öffentliche Trauerfeier auf Wunsch)