♕ In Memoriam · Große Persönlichkeiten

Udo Jürgens

Musiker - (Jürgen Udo Bockelmann)

"Ihr seid das Notenblatt, das alles für mich war. Ich lass' Euch alles – ich lass' Euch alles da!"

— Text auf seinem Grabstein, Wiener Zentralfriedhof
  • Geboren: Klagenfurt am Wörthersee, Österreich
  • Gestorben: Münsterlingen, Schweiz
  • Beigesetzt: Wien (Wiener Zentralfriedhof, Ehrengrab Stadt Wien, 15. Januar 2015)

Kurzbiografie

Udo Jürgens, eigentlich Jürgen Udo Bockelmann, wurde am 30. September 1934 in Klagenfurt am Wörthersee als Sohn deutscher Eltern geboren. Seine Mutter Käthe Arp stammte aus Schleswig-Holstein, sein Vater Rudolf Bockelmann war in Moskau geboren und flüchtete mit seinen Eltern nach Schweden. Nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich die Eltern auf Schloss Ottmanach in Kärnten nieder, das der Großvater seinen fünf Söhnen geschenkt hatte. Sein Vater war von 1938 bis 1945 und von 1954 bis 1958 Bürgermeister der Gemeinde Ottmanach. Ein Verwandter mütterlicherseits war der Dadaist Hans Arp, ein Onkel väterlicherseits der Oberbürgermeister von Frankfurt am Main Werner Bockelmann. Udo Jürgens wuchs auf Schloss Ottmanach mit seinen Brüdern auf. Das Klavierspielen brachte er sich selbst bei und erhielt später systematischen Unterricht. Nach dem Gymnasium studierte er Musik am Kärntner Landeskonservatorium in Klagenfurt und am Mozarteum in Salzburg. Seine ersten Auftritte hatte er während seiner Studienzeit in kleineren Lokalen unter dem Künstlernamen Udo Bolán. 1951 gewann er als 17-Jähriger einen Komponistenwettbewerb des Österreichischen Rundfunks unter 300 Teilnehmern mit dem Lied Je t'aime. 1960 erzielte er einen Achtungserfolg mit Jenny. 1960 komponierte er für Shirley Bassey den Hit Reach for the Stars. 1964 startete er beim Grand Prix Eurovision für Österreich mit Warum nur, warum? und erreichte Platz 6. Seine englische Version Walk Away verkaufte sich 1,5 Millionen Mal durch Matt Monro. 1965 nahm er am Sanremo-Festival teil und beim Eurovision erreichte er Platz 4 mit Sag ihr, ich laß sie grüßen. Mit Merci, Chérie gewann er am 5. März 1966 in Luxemburg den Eurovision Song Contest als erster Österreicher. Dieser Sieg verhalf ihm zu seinem internationalen Durchbruch. 1967 erschienen weitere Verkaufserfolge wie Was ich dir sagen will und Immer wieder geht die Sonne auf. Mit dem gesellschaftskritischen Lied Lieb Vaterland löste er 1971 eine Kontroverse aus. Das Lied Griechischer Wein wurde 1974 ein großer Hit und er wurde vom griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis empfangen. Er machte Tourneen durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, Griechenland, Polen, Japan und Australien. Sein größter kommerzieller Erfolg war 1978 Buenos días, Argentina mit der deutschen Fußballnationalelf, für das er nach fünf Wochen eine Goldene Schallplatte und nach zwei Monaten eine Platin-Schallplatte bekam. Ab Anfang der 1980er hatte Jürgens keine Top-10-Platzierungen mehr in Deutschland. Er veröffentlichte regelmäßig Alben. 1984 veröffentlichte er Rot blüht der Mohn über Drogensucht und Liebe ohne Leiden, ein Duett mit seiner 17-jährigen Tochter Jenny. 1988 gelang ihm mit Das blaue Album seine letzte Top-20-Platzierung vorerst. Ab 2007 erhielt er größere mediale Aufmerksamkeit durch das Jukebox-Musical Ich war noch niemals in New York basierend auf einem Potpourri seiner Lieder. 2009 nahmen die Sportfreunde Stiller eine Coverversion des Titelstücks auf. Mit dem Erfolg des Musicals stiegen die Verkaufszahlen für Jürgens' Albumveröffentlichungen wieder. Im Februar 2014 erschien mit Mitten im Leben sein letztes Studioalbum. Sein letztes Konzert gab Udo Jürgens am 7. Dezember 2014 im ausverkauften Hallenstadion in Zürich. Am 21. Dezember 2014 brach Udo Jürgens während eines Spaziergangs in Gottlieben bewusstlos zusammen und starb im Kantonsspital Münsterlingen im Alter von 80 Jahren an Herzversagen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt absolvierte er am 12. Dezember 2014 in der Helene Fischer Show im Berliner Velodrom. Am 15. Januar 2015 fand eine Gedenkfeier mit etwa 200 Freunden und Weggefährten in Zürich statt. Seine Urne wurde in der Volkshalle des Wiener Rathauses aufgestellt, wo die Öffentlichkeit ihm die letzte Ehre erweisen konnte. Hochrangige Amtsträger wie der damalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann trugen sich in Kondolenzbücher ein. Jürgens wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Der Grabstein, der einen in ein weißes Trauertuch gehüllten Flügel darstellt, wurde von seinem Bruder Manfred Bockelmann entworfen und vom Bildhauer Hans Muhr in Laaser Marmor umgesetzt. Von 1963 bis 1989 war Udo Jürgens mit dem Fotomodell Erika Meier verheiratet, der Ehe entstammen zwei Kinder, John Johnny Jürgens und Jenny Jürgens. Außerdem hat er zwei nichteheliche Töchter Sonja und Gloria. Am 4. Juli 1999 heiratete er in New York seine langjährige Lebensgefährtin Corinna Reinhold aus Rheydt. Zusammen bezogen sie 1997 ein Haus in Zumikon in der Schweiz. 2006 ließen sie sich scheiden. Danach war er bis zu seinem Tod 2014 mit der Journalistin Michaela Moritz liiert, die bereits 2004 die Geschichte seiner Familie und die Anfänge seiner Karriere in dem Roman Der Mann mit dem Fagott niedergeschrieben hatte. Dieser Roman wurde 2011 verfilmt. Im Februar 2007 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft und durfte seine österreichische Staatsbürgerschaft behalten. Im Juli 2012 erwarb er in der Gemeinde Meilen eine Villa, die Gottlieb Duttweiler 1930 hatte errichten lassen. Udo Jürgens war einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Entertainer des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Er schrieb über 1000 Lieder, veröffentlichte über 50 Musikalben und verkaufte in seiner mehr als sechzig Jahre andauernden Karriere über 105 Millionen Tonträger. Er zählt damit zu den erfolgreichsten Solokünstlern der Welt. Seit 2015 hält er den weltweiten Rekord als am längsten erfolgreicher Künstler in den Charts mit über 57 Jahren vom Ersteinstieg 1958 bis 2015.

Lebensstationen

  • 1934
    30. September: Geburt Jürgen Udo Bockelmann Klagenfurt
  • 1944–1953
    Studium Musik Kärntner Landeskonservatorium & Mozarteum Salzburg
  • 1951
    Komponistenwettbewerb Österreichischer Rundfunk (1. Preis unter 300: Je t'aime, Alter 17)
  • 1952ff
    Erste Auftritte Tanzcafé Lerch Klagenfurt (5 Schilling/Stunde)
  • 1960
    Achtungserfolg Jenny (von Lale Andersen 1961 als Jonny gecovert)
  • 1960
    Komponiert Shirley Bassey: Reach for the Stars
  • 1960
    Sieg Songfestival Knokke mit Hannelore Auer, Heinz Sagner u.a.
  • 1963
    Zusammenarbeit Manager Hans R. Beierlein (München)
  • 1964
    Grand Prix Eurovision Kopenhagen: Warum nur warum? (6. Platz)
  • 1964
    Matt Monro Version Walk Away: 1,5 Mio. Schallplatten (UK #4, USA #23)
  • 1964
    Komponiert Frank Sinatra: If I Never Sing Another Song
  • 1965
    Sanremo-Festival
  • 1965
    Eurovision Neapel: Sag ihr ich laß sie grüßen (4. Platz)
  • 1965
    Hit Siebzehn Jahr blondes Haar (DE #4, AT #6)
  • 1966
    Film Siebzehn Jahr blondes Haar von Franco Montemurro
  • 1966
    5. März: Grand Prix Eurovision Luxemburg: MERCI CHÉRIE (SIEG) – Internationaler Durchbruch
  • 1966
    Intensive Tourneetätigkeit weltweit
  • 1967
    Hit Was ich dir sagen will mit Joachim Fuchsberger
  • 1967
    Hit Immer wieder geht die Sonne auf
  • 1963–1989
    Verheiratet mit Fotomodell Erika Meier (Kinder: John Johnny, Jenny)
  • 1966
    Tochter Sonja (nichtehelich)
  • 1968
    Sanremo-Festival Rückkehr
  • 1970er
    Mehrere deutschsprachige Unterhaltungsfilme
  • 1971
    Hit Lieb Vaterland – Gesellschaftskritisches Lied, Kontroverse
  • 1971
    Lied ARD-Fernsehlotterie: Zeig mir den Platz an der Sonne
  • 1974
    Hit Griechischer Wein – Große Erfolg, Empfang griechischer Ministerpräsident Karamanlis
  • 1974
    Griechischer Wein ins Griechische übertragen (Phile kerna krassi), Volkslied
  • 1974
    Bing Crosby Version Come Share the Wine
  • 1977
    Schweizer Manager Freddy Burger übernimmt Management (bis Tod 2014)
  • 1978
    Kommerzieller Durchbruch Buenos días Argentina mit dt. Fußballnationalelf
  • 1978
    Nach 5 Wochen: Goldene Schallplatte, nach 2 Monaten: Platin
  • 1978
    Marty Robbins Tex-Mex Version USA Country-Charts #25
  • 1980er
    Keine Top-10-Platzierungen deutsche Singlecharts mehr
  • 1982ff
    Tourneen mit Pepe Lienhard Orchester
  • 1984
    Album Das blaue Album (letzte Top-20 vorerst 1988)
  • 1984
    Hit Rot blüht der Mohn (Drogenthematik)
  • 1984
    Duett Liebe ohne Leiden mit Tochter Jenny (17 Jahre)
  • 1988
    Comeback Das blaue Album (Top-20)
  • 1991
    Filmmusik Das Traumschiff: Florida, Gastrolle
  • 1994
    Tochter Gloria geboren
  • 1999
    4. Juli: Heirat Corinna Reinhold (New York)
  • 1997
    Haus Zumikon Schweiz
  • 2003
    Ambitioniert: Album Ich werde da sein (Top-20 ab 1988)
  • 2006
    Scheidung Corinna Reinhold
  • 2007
    Schweizer Staatsbürgerschaft (behält Österreich)
  • 2007ff
    Liiert Journalistin Michaela Moritz (Autorin Mann mit Fagott 2004, verfilmt 2011)
  • 2007
    Jukebox-Musical Ich war noch niemals in New York Weltpremiere Hamburg Operettenhaus
  • 2009
    Sportfreunde Stiller Coverversion Ich war noch niemals in New York (Chart-Comeback)
  • 2010er
    Renaissance Karriere durch Musical-Erfolg
  • 2012
    Juli: Villa Meilen (ehemaliger Wohnsitz Gottlieb Duttweiler 1930)
  • 2014
    Februar: Letztes Album Mitten im Leben
  • 2014
    Ende Oktober: Tournee Mitten im Leben (26 Konzerte 44 Tage)
  • 2014
    7. Dezember: Letztes Konzert Hallenstadion Zürich (ausverkauft)
  • 2014
    12. Dezember: Letzter öffentlicher Auftritt Helene Fischer Show Berliner Velodrom (ausgestrahlt 25. Dezember)
  • 2014
    21. Dezember: Kollaps Spaziergang Gottlieben, Tod Kantonsspital Münsterlingen (80 Jahre) – HERZVERSAGEN
  • 2015
    15. Januar: Gedenkfeier Zürich (~200 Freunde & Weggefährten)
  • 2015
    Urne Volkshalle Wiener Rathaus (Öffentlichkeit letzte Ehre)
  • 2015
    Bundespräsident Heinz Fischer & Bundeskanzler Werner Faymann kondolieren
  • 2015
    Beisetzung Ehrengrab Stadt Wien Wiener Zentralfriedhof (Flügel-Grabstein von Bruder Manfred entworfen)

Auszeichnungen & Tätigkeiten

🏅
1. Preis Komponistenwettbewerb Österreichischer Rundfunk
1951
🏅
Grand Prix Eurovision de la Chanson – Merci Chérie
1966
🏅
Bravo Otto Bronze
1967
🏅
Silberner Löwe
1968
🏅
Goldene Europa
1968
🏅
Bravo Otto Silber
1969
🏅
Bambi
1970
🏅
Goldene Europa
1976
🏅
Goldene Europa
1977
🏅
Goldene Europa
1978
🏅
Silberner Löwe
1978
🏅
Goldenes Mikrophon
1978
🏅
Großes Ehrenzeichen Stadt Wien
1979
🏅
Österreichische Goldene Kamera
1979
🏅
Goldene Europa
1981
🏅
Paul-Lincke-Ring Gosslar
1981
🏅
Robert Stolz Ehrenurkunde
1981
🏅
Bambi
1984
🏅
Goldene Stimmgabel
1984
🏅
Berufstitel Professor Österreich
1984
🏅
Goldene Kamera Berlin (Bester Musiker)
1988
🏅
Kärntner Landesorden Gold
1991
🏅
Goldene Stimmgabel
1992
🏅
Echo Lebenswerk
1993
🏅
Bambi
1994
🏅
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
1994
🏅
Ehrenring Stadt Wien
1994
🏅
Großes Ehrenzeichen Republik Österreich
1995
🏅
Goldene Kamera Lebenswerk
1995
🏅
FIFA-Verdienstorden
1996
🏅
Goldene Europa Lebenswerk
1998
🏅
Bambi
1999
🏅
Club Carriere – Enzyklopädie Erfolges
1999
🏅
Amadeus Award Bester Solokünstler Schlager
2000
🏅
Goldene Feder Lebenswerk
2000
🏅
Goldene Stimmgabel
2001
🏅
Ehrenbürger Klagenfurt
2001
🏅
Amadeus Award
2001
🏅
Amadeus Award Lebenswerk
2003
🏅
Munich Olympic Walk of Stars
2003
🏅
Deutscher Fernsehpreis
2004
🏅
Deutscher Musikpreis
2004
🏅
Goldener Rathausmann Wien
2005
🏅
Berliner Bär B.Z.-Kulturpreis Lebenswerk
2007
🏅
Ehrenmitgliedschaft Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft
2007
🏅
Bild-Osgar Lebenswerk
2008
🏅
Goldene Henne Lebenswerk
2008
🏅
Steiger Award
2008
🏅
Crystal Award Davos (Stiftung Ihr von morgen)
2010
🏅
Romy Lebenswerk
2011
🏅
Bambi Lebenswerk
2013
🏅
S. Georgs Orden Dresdner SemperOpernball (Lebenswerk)
2014
🏅
Prix du Champagne Lebenswerk
2014
🏅
Deutscher Musikautorenpreis Lebenswerk
2014
🏅
Ehrenmedaille Stadttaler Zürich
2014
🏅
Sonderbriefmarke Österreichische Post (70 Eurocent, 18. Oktober 2014)
2014
🏅
Lifetime SwissAward (posthum)
2015
🏅
Echo Hall of Fame
2015
🏅
Amadeus Award Künstler des Jahres
2015
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